Spaziergang nach Syrakus

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Der Spaziergang nach Syrakus

Drama/Komödie, Deutschland 2026, 97 min

Paul Gompitz (Charly Hübner) möchte wandern - einmal nach Syrakus und zurück. Auf den Spuren des Dichters Johann Gottlieb Seume, der 1802 tatsächlich von Grimma bis nach Sizilien wanderte, will Paul eine Reise antreten, die eigentlich ganz einfach klingt. Wäre da nicht ein entscheidendes Problem: Es ist das Jahr 1982, und Paul lebt in Rostock. Sein Wanderwunsch kann unter diesen Vorzeichen nur ein Traum bleiben. Paul versucht trotzdem, offiziell an eine Ausreise zu kommen. Und scheitert kläglich - ob Besuchsreise zur Cousine, Mitgliedschaft in der Liga für Völkerfreundschaft oder Studienreise, die Behörden lehnen natürlich alles ab. Bleibt nur ein Ausweg: die Flucht. Und die hat es in sich, denn Paul will nicht einfach nur raus, er will auch wieder zurück - zur Ostsee, nach Rostock, zu seiner Frau Anne (Lina Beckmann). Ein Fluchtplan mit Rückfahrkarte also, entsprechend gewagt und über weite Strecken hanebüchen. Regisseur Lars Jessen, der mit »Sörensen hat Angst« und der Kirsten-Boie-Verfilmung »Möwenweg« schon sein Gespür für skurrile norddeutsche Charaktere bewiesen hat, inszeniert diesmal eine Mischung aus Fluchtdrama, Roadmovie und Liebesgeschichte. Charly Hübner changiert einmal mehr zwischen Sehnsucht, Sturheit und leiser Verzweiflung, kongenial begleitet von Lina Beckmann als Anne, die dem Plan ihres Mannes mit einer Mischung aus Sorge und heimlicher Bewunderung folgt. Dank der beiden großartigen Spielenden wird aus einer grotesk klingenden Geschichte ein warmherziger Film über die Freiheit, die man sich manchmal selbst erwandern muss - koste es, was es wolle.
Grit Dora