Fassaden
Eine Fassade ist die repräsentative Außenhülle einer, sich dahinter verbergenden, Struktur. Hier heißt die Struktur häusliche Gewalt an Frauen. Ein Jahrtausende altes Unterdrückungsspiel, dessen Rollen per se verteilt scheinen, und dessen oberste Spielregel im patriarchalischen Manifest niedergeschrieben steht, formuliert als ewiger Sklavenhalterstatus; die Frau sei dem Manne Untertan. Soweit zum Dunkel. Die Regisseurin Alina Cyranek fragt nun, ob sich hinter gesellschaftlichen Fassaden auch Strukturen verbergen, welche die Sicherheit von Frauen womöglich verhindern. Dazu leuchtet sie die verschiedenen Räume häuslicher Gewalt aus, die Tatorte, die Bürostuben, Vernehmungszimmer, Frauenhäuser, Arztpraxen, Gerichtssäle. Und immer wieder die freien, alltäglich zugänglichen Räume, in denen wir Opfern häuslicher Gewalt begegnen. Und leichthin übersehen, dass etwas faul ist im Staate. Wenn eine vollkommen hysterische Frau „am vermeintlichen Tatort“ vorgefunden wird, und ihr später die Verteidigung des Mannes aus solchem Verhalten einen Strick dreht. Wenn Frauen nach mehreren Anläufen bei der Polizei noch nie etwas gehört haben vom Gewaltschutzgesetz (BGBl. I S. 3513). Wenn Nachbarn sämtliche Begebenheiten aufzählen können, bei denen Frauen blöderweise gestürzt oder ausgerutscht sind. Wenn Jahre zurückliegende Verletzungen bei Gericht in Zweifel gezogen, und die „mangelnde Nachweispflicht“ der Betroffenen zur Last gelegt wird. Wie ihr Schweigen, sowieso. Wenn die Beamten, um Beistand angegangen, entgegnen; „wir können erst was machen, wenn Sie in ihrer Blutlache liegen.“ Oder Dienst nach Vorschrift leisten. Ohne ihren Spielraum auszuschöpfen, keine Wegweisung, keine Inobhutnahme von Kindern oder sicheres Geleit betroffener Frauen veranlassen. Wenn „das Beweismittel“ selbst bei Gericht detailliert vortragen muss, wessen Blut wohin spritzte, immerfort einer Re-Traumatisierung ausgesetzt, im schlechtesten Falle noch vor Prozessbeginn ferngehalten wird von therapeutischer Betreuung, weil ansonsten ihre Beweiskraft darunter leide. Die Tänzerinnen Gesa Volland und Damian Gmür verkörpern in einer Bühnen-Black-Box all diese toxischen Kraftverhältnisse, Sandra Hüller leiht den Gedächtnisprotokollen ihre Stimme, und gemeinsam mit anderen Betroffenen geben sie dieser fürchterlichen Struktur ein Gesicht.
alpa kino
Regie: Alina Cyranek
Darsteller: Gelesen von Sandra Hüller
Kamera: Tim Pfautsch
Musik: Freya Arde
Produktion: hug films Produktion
Bundesstart: 12.02.2026
Start in Dresden: 12.02.2026