Regionaler Fokus: Das Auge von Dresden – Retrospektive Ernst Hirsch

Das alte Dresden, prächtige Residenz der Wettiner Kurfürsten, Perle des Barock – es sind Zuschreibungen wie diese, die das Selbstverständnis der sächsischen Hauptstadt bis heute prägen. Dieses Dresden ist im Zweiten Weltkrieg in Flammen aufgegangen. Ein Schicksal, das es mit vielen anderen deutschen Großstädten teilte, das jedoch wohl in keiner davon im kollektiven Gedächtnis bis heute derart präsent ist. Das hat vielleicht auch mit den unzähligen Bildern der Stadt zu tun, gebannt auf lichtempfindliche Filmstreifen. Schließlich war Dresden nicht nur historische Kulisse, sondern eine Zeitlang auch größter Produktionsstandort von Fotoapparaten, Filmkameras, Projektoren, Fotopapieren und Filmmaterial in Europa. Material, das natürlich irgendwo ausprobiert werden musste, und so entstanden von all der barocken Pracht nicht nur unzählige Fotoaufnahmen, sondern auch zahlreiche bewegte Bilder.
Dass viele davon erhalten sind, haben wir Ernst Hirsch zu verdanken. Der Dresdner Kameramann, Dokumentarfilmer und Regisseur trug in seinem privaten Archiv zahlreiche historische Filme über Dresden zusammen, die ältesten stammen von 1903. Aber es ist nicht nur die Sammlerleidenschaft, die Ernst Hirsch den Beinamen „Das Auge von Dresden“ einbrachte. Als Neunjähriger erlebte er den Untergang der Stadt, ihren Wiederaufbau begleitete er selbst mit der Filmkamera. Den Kunstwerken Dresdens und den Künstler:innen, die hier tätig waren, setzte er zahlreiche dokumentarische Denkmale, aber er machte auch vor für die Dresdner:innen schmachvollen Themen, wie dem „Judenlager“ am Heller, keinen Halt.

Ein kleiner Ausschnitt aus insgesamt mehr als 400 Filmrollen ist anlässlich des bevorstehenden 90. Geburtstages von Ernst Hirsch im Regionalen Fokus zu sehen. Im Zentrum steht historisches Archivmaterial aus der Zeit vor 1945, ergänzt wird es durch Aufnahmen des Filmemachers vom Wiederaufbau des Zwingers, der Hofkirche und der heutigen Wilsdruffer Straße aus den 1950er und 60er Jahren sowie der Frauenkirche aus den 1990ern.

Kuratiert von André Hennig, Ernst Hirsch, Lukas Schneider

Vor Beginn der Aufführung am Mittwoch bittet der Filmverband Sachsen alle Gäste zu einem kleinen kostenfreien Empfang.