Madame Kika (OmdU)
Schmerzen kennen wir aus drei Konstellationen; Schmerzen ertragen, sie lindern oder zufügen. Die letzteren beiden gelten offiziell als Dienstleistungen. Die Nachfrage ist bei beiden riesig. Die Bezahlung unterschiedlich. Erstere Konstellation gilt wohl als die Schwierigste, doch dazu später. Die hier verhandelte Biographie von Kika (Manon Clavel) beginnt an ihrem Arbeitsplatz, wo sie versucht, die Schmerzen ihrer Klientinnen zu lindern, wie es nur irgend geht. Kika ist Sachbearbeiterin auf dem Sozialamt von Brüssel. Dienst nach Vorschrift ist ihr fremd. Sie betätigt sich bei einer Klientin auch mal als Möbelpackerin, um dem Gerichtsvollzieher eins auszuwischen. Kika ist verheiratet, hat eine Tochter und verliebt sich trotz alledem in David (Makita Samba), den netten Typen vom Fahrradladen, auch er weiß ein Danke und ein Bitte zu schätzen. Kurz flimmert Glück über die Leinwand. Davids plötzlicher Tod löscht es wieder aus. Kika droht der soziale Abstieg. Sie muss aus ihrer Wohnung raus. Noch weiß sie nicht, wie es weitergeht; soll sie ihren Job missbrauchen und sich Stütze erschleichen, soll sie, wie eine ihrer Klientinnen, getragene Slips im Internet verticken, soll sie Davids Kind abtreiben, oder tatsächlich Mutters tägliche Vorhaltungen für die Zuflucht auf ihrer Schlafcouch eintauschen? Die belgische Regisseurin Alexe Poukine meidet Genre-reine Filme, das leuchtet ein, denn sie kommt vom Dokumentarfilm. Hier nun entschied sich sich, die ihr zugetragene Geschichte von Sozialarbeiterinnen, die zugleich Schmerzen lindern und zufügen, als Fiktion zu zeigen, angereichert mit allerlei recherchierten Fakten. Kika wählt den derben Weg in die soziale Unabhängigkeit als allein erziehende Mutter. Sie schlüpft im Zweitjob, erschrocken erst, vorsichtig zupackend dann und zuletzt sich selbst behauptend, in die Rolle einer Domina: Madame Kika. Langsam nur lernt sie Respekt vor ihren neuen Klienten zu haben. Und langsam nur dämmert ihr, dass sie im Lindern und Zufügen von Schmerzen echt gut ist, sie beim Ertragen ihres eigenen Schmerzes über den Verlust von David jedoch noch ganz am Anfang steht.
alpa kino
Buch: Alex Poukine, Thomas Van Zuylen
Regie: Alex Poukine
Darsteller: Manon Clavel, Ethelle Gonzalez Lardued, Makita Samba
Kamera: Colin Leveque
Musik: Pierre Desprat
Produktion: WRONG MEN
Bundesstart: 15.01.2026
Start in Dresden: 15.01.2026
FSK: ab 16 Jahren