TRAILER

Holy Motors

Drama, Frankreich/Deutschland 2012, 116 min

Ein Mann wirft sich in Schale, er taucht ein in ein funkelndes Tableau stolzierender Emporkömmlinge, er nippt, federt und lässt es krachen. Monsieur Oscar reißt sich sein Haar vom Kopf, das Auge wechselt den Glanz, der Körper hüllt sich in ungepflegte Verderbtheit und als Bettler spuckt er der Hochglanzwelt in die polierte Fresse. Die Szenerie wechselt erneut. Entführte ein Greis eben noch die Schönheit durch die Pariser Kanalisation, nähert sich ein sensorgespickter Leib jetzt Flick-Flack schlagend einer simultan arbeitenden 3D-Kamera und liefert mehrere Terrabyte artistischen Muskelspiels für eine Motion-Capture-Performance, ein schwereloses Kopulationsspiel inklusive… Und immer neue Kostüme verzücken das Auge des Betrachters und die Leinwand füllt sich zunehmend mit allerlei Traumwandlern. Im Ganzen erlebt man elf Settings, Musical, Thriller oder Romanze; und doch zeigen sie alle nur einen gealterten Darsteller bei der Arbeit. Das ist Kino pur, frei vom fetten Flitter und reduziert auf das Spiel skurriler Flausen. Während die Verwandlungen sich vollziehen, hockt Monsieur Oscar in seiner Garderobe, seinem Schutzraum; einer weißen Stretchlimousine, welche gesteuert wird von einer in die Jahre gekommenen Schönheit. Verschrottet sollen sie werden, diese zahlreich durch die Nacht rollenden Traummaschinen. Dann bleibt uns nur noch zu träumen von unseren Träumen. Man möchte beide, Regisseur und Hauptdarsteller, umarmen und nicht mehr loslassen, möchte eine Kiste Wein stehlen, die ganze Nacht auf der Seine-Brücke sitzen und sie aushorchen; wo seid ihr gewesen, wie ist es euch ergangen und was sucht ihr hier. Leos Carax und Dennis Lavant - das Traumpaar.
Rollo Tomasi