Killing Them Softly

Thriller, USA 2012, 97 min

Anfang der 70er hab ich in meinem Vaterland viel Killing Me Softly mit Roberta Flack gehört und mir dazu die neusten Westzeitungen angeguckt. Seitdem verbinde ich das Lied immer mit dem ETA-Attentat auf den spanischen Ministerpräsidenten Luis Carrero Blanco, den man per Sprengung 35 Meter über ein fünfstöckiges Haus schickte. Ja o.k., das hat jetzt nicht soo viel mit dem Film zu tun, aber vielleicht war es für den einen oder anderen Leser doch interessant, ein klein wenig an meinem Gefühlsleben und meiner Historie teilzuhaben. In Ordnung, ich weiß, Sie sind mehr an der Filmkunst des vier Monate älteren William Bradley Pitt interessiert! Zunächst müssen Sie sich aber etwas gedulden, bis der schmucke Brad die Szenerie betritt. Zwei gedungene Minderdiebe Frankie (Scoot McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn) haben von dem mit ebenfalls einem kriminellen Hintergrund versehenen Geschäftsmann Johnny Amato (Vincent Curatola) den Auftrag erhalten, das Preisgeld eines illegalen Pokerspieles der Mafia per Robbery an sich zu nehmen. Da der Veranstalter des kleinen Turniers, Markie Trattman (der gute Ray Liotta), früher auch schon einmal einen Preisgeldmops in Szene gesetzt hat, glaubt Johnny Amato, die Fährte auf den feinen Herrn Trattman zu richten. Der Überfall gelingt bemerkenswerterweise, doch die beiden Halbtagskräfte sind sich offensichtlich noch nicht bewusst, dass mit dieser Nummer wohl ihr letztes Stündlein geschellt hat. Schnell ist dann der Mann für die etwas andere Art der Aufklärung angerufen und ja, in der Rolle des Jack Cogan tritt nun endlich unser aller Brad Pitt ins Geschehen, der mit analytischem Feingeist, Licht ins Dunkelmunkel der Klein- und Großkriminalität zu bringen versucht, kleinere Kollateralschäden inklusive. »Killing Them Softly« ist jetzt aber nicht vordergründig ein Ballerfilm, sondern mehr ein Film des gesprochenen Wortes. Wenn es dann aber schon mal zum ungestümen Mittel der Gewalt kommt, gibt es für Regisseur Andrew Dominik jedoch kein Halten mehr. Jackie lässt erstmal den Organisator beseitigen und hat auch rasch die Facebookseiten, äh, ich meine die Namen der Haupttäter ermittelt. Als der von ihm beauftragte Killer blöderweise versagt, ist Schluss mit lustig in da House. »Killing Them Softly« ist ein hervorragend gemachtes Gangsterdrama, das durch gute Dialoge und vor allem grandiose Bilder des Cinematographers Greig Fraser zu brillieren weiß. Hier sollten sich Turm-Regisseur Christian Schwochow und sein Kameramann Frank Lamm mal ein Beispiel daran nehmen, wie ordentliche und vor allem dramaturgisch sinnvolle Schnitt- und Kameraführung auszusehen haben um hernach eine Ecke aufzusuchen, in der sich für rund 24h zu schämen ist.
Ray van Zeschau