In Darkness

Drama, Polen/Deutschland/Kanada 2012, 144 min

»In Darkness« ist die wahre Geschichte von Leopold Socha. Ein Kanalarbeiter und Kleinkrimineller, der eines Tages vor Nazis geflüchtete Juden in den Abwasserschächten von Lvov entdeckt. Zunächst bietet er ihnen aus rein lukrativen Gründen die Geheimhaltung ihres Versteckes an. Doch da uns die Regisseurin Agnieszka Holland hier keinen Lernfilm, sondern einen Fühlfilm bietet, dauert es auch nicht lange, bis Sochas moralischer Sinn erwacht.
Wo andere Holocaust-Filme als historische Bewahrer der Gräuel, als erhobene Zeigefinger gefeiert werden, erweitert »In Darkness« das Bewusstsein nicht nur erneut für den alles durchdringenden Horror, sondern um so stärker für die zahlreichen zufälligen Heldentaten. Man muss zugeben, dass sich der Holocaust-Film langsam als eigenes Genre etabliert.
Der visuelle Kontrast zwischen der zwar auch grauen Oberwelt und der klaustrophobisch schwarzen Kanalwelt zieht einem über die gesamten 145 Minuten die Brust zusammen. Man traut sich, nicht nur aus hygienischen Gründen, danach kaum tief durchzuatmen. Dank Frau Holland darf man auch die sprachliche Vielfalt Lvovs während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg genießen. Denn statt, wie ursprünglich gedacht, auf Englisch, hören wir nicht nur Deutsch, Polnisch, Ukrainisch und Jiddisch, sondern auch den ausgestorbenen Lvov-Dialekt. Als deutsche Unterstützung holte sie sich dazu Benno Fürmann und Maria Schrader an die Seite und reserviert sich mit ihren beachtlich aktiven 63 Jahren nun die Spitzenplätze bei diversen Filmfestivals.