1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde

Komödie, Deutschland 2008, 115 min

Mal Hand aufs Herz, kennen Sie einen Menschen, der Til Schweiger wirklich richtig toll findet? Also ich nicht und ich kenne viele Menschen! Jeglicher Berufszweige und gesellschaftlicher Schichten. Elektroinstallateure, Bauern, Architekten, Intendanten, Tischler, Ärzte, Putzfrauen, Anwälte, Hartz4-Empfangende usw. Trotzdem gelangt Til Schweiger immer wieder auf die Leinwand. Wie schafft der das? Zumal uns bereits ein Tsunami von Mittelalterfilmen in den letzten 2 Jahren nervend überrollt hat. Ich sage nur, Tell, Siegfried und die 7 Zwerge. Und jetzt kommt zum Nachtisch noch 1 1/2 Ritter oder wie? Auch ist Demokratie nicht gleichbedeutend, dass ich Thomas Gottschalk im Kino sehen muss. Das sind alles so Dinge… ich weeß ni??? Maximiert wird dann auch noch das Trauerspiel, wenn Til Schweiger Humor gepaart mit Zeitbezug unter die Leute säen möchte. Markenrüstungen, gecastete Minnesänger, Gleitzeit für Leibeigene,…gähn…. Der einzige Handlungsstrang des Films besteht darin, die entführte Tochter von König Gunther (Thomas Gottschalk), Prinzessin Herzelinde (Julia Dietze) zu befreien. Zu Ritter Lanze (besagter Herr Schweiger) gesellt sich dann auch noch ein aufschneidender Möchtegernritter mit türkischem Migrationshintergrund (Rick Kavanian). Schon sehr bald müssen die beiden Teilnehmer aber erkennen, dass sie bei der Operation »Herzelinde« einem miesen Komplott aufgesessen sind. Dabei wird auch kein noch so blöder Ulk, wie Menschen, die beim Reiten mit dem Kopf an einen Ast schlagen, beiseite gelassen. Damit offensichtlich der letzte BUNTE-Redakteur bei Laune gehalten werden soll, wurde bei der Besetzung des Filmes alles rangekarrt, was irgendwie nach Tils Meinung Rang und Namen hat. Mark Keller, Ralph Herforth, der verrückte Udo Kier, Hundeführer Tobias Moretti, Dieter Palüm Palüm Hallervorden und Hannelore Elsner. Selbst der 105-jährige Jopi Heesters wird noch mal durchs Bild getragen. Wahrscheinlich hat man ihm erzählt, es handle sich um das deutsche Remake von »…denn sie wissen nicht, was sie tun«. Da Til ganz sicher gehen wollte, dass sein Film auch einen Hauch von Erfolg und Spaß hat und verbreiten soll, wurde in der Sächsischen Schweiz gedreht und auch noch Roberto Blanco gecastet, denn, „Ein bisschen Spaß muss (schon) sein“ und für alle, die wirklich Til Schweiger-Fans sind, Euer Til wird nächstes Jahr berühmt. Nach Erscheinen von »Inglorious Basterds«.
Zumindest kenne ich keinen Darsteller, der nicht nach einem Tarantino-Film berühmt geworden wäre, und ich kenne viele - Darsteller, Elektroinstallateure, Bauern, Architekten, Intendanten, Tischler, Ärzte, Putzfrauen, Anwälte, Hartz4-Empfangende usw.
Ray van Zeschau (Barstellender)