Pornorama

Komödie, Deutschland 2007, 94 min

Irgendwie scheint man uns gerade mit bayrischen Handlungsorten nerven zu wollen. Wahrscheinlich gab es deshalb bei mir im Didl um die Ecke ’ne bayrische Woche mit Schweinshaxn, Weißwürschd und anderen Unausprechlichkeiten. Da würden sich aber die Kinobetreiber bedanken, wenn man mit all diesem Gerümps bei ihnen einreiten wöllte. Mal eben zur Brotzeit ’ne Brezn ins Gestühl krümeln und a bissl Obatzten in den Klappmechanismus, baacks.
Der Film ist als Grundnahrungsmittel ausreichend, aber muss man den unbedingt Junghermann Benno Fürmann besetzen? Na egal, jedenfalls gibt Benno Gas und will allen zeigen, was er doch für ein toller Actor ist. Uhhh fremdschäm. Naja es gibt auch Menschen, die Lutz Jahoda oder Heiner Lauterbach ganz, ganz doll finden. Ich jedenfalls wurde in den 60ern geboren, und in dieser Zeit handelt der Film. Nicht gerade da, wo ich geboren wurde, aber in München-Ramersdorf. München-Ramersdorf hat eine eigene Webcam mit der beschriebenen Position: View from my window looking South-West over Ramersdorf towards Giesing and the Perlacher Forest Ottobrunner Str. near Mittlerer Ring and Rosenheimer Str., Munich, Germany. Suuuuper! Das Ganze sieht dann so aus: „www.tropicalisland.de/travel_webcam.html“ Was daaa abgeht. Ganz doll. Aber back to the 60´s. Die sexuelle Revolution erigiert die Bundesrepublik und selbst in besagtem Vorort geht wesentlich mehr ab als das, was uns die Webcam von Manfred Leitner weismachen will. Aber während im Osten bereits ordentlich Zin Zin gemacht wird, überschwemmt der Westen seine Wessis mit Aufklärungsfilmen mit dem Ergebnis, dass der Altbundesbürger erst mal viel darüber reden muss, bevor er zum praktischen Teil gelangt, har har. Genau in dieser Epoche hat sich der 20-jährige Polizeianwärter Benjamin „Bennie“ Köpke (Tom Schilling - hat der nicht mal früher getanzt?) über beide Ohren in die schmucke Kommunardin Luzi (Karoline Herfurth) verknallt. Dass er zur Bullerei will, weiß sie aber nicht. Weiterhin hat Bennie einen, sagen wir mal, halbseidenen älteren Bruder (Benno Hermann Fürmann), Namens Freddie, dem immer etwas die Penunzen zu knapp sind. Freddie überredet Bennie, doch auch mal selbst einen Aufklärungsfilm hinterher zu schieben, wenn das gerade so angesagt ist. Schließlich hat Freddie sich mal kurz 10.000 D-Mark von der Bank geliehen, in der er als Nachtwächter beschäftigt ist. Was wäre da wohl einträglicher als blanker Busen und der in den 60ern noch allseits beliebte voluminöse Bär, um die Taler seinem Brezengeber zurückzahlen zu können?! Während Freddie von der fixen Mark träumt, hat Bennie, der nun nebenbei als Regisseur tätig ist, mit der Hobbyfreizeitfilmcrew alle Hände voll zu tun. Als dann noch die vollhuppige italienische Kleinstadt-Diva Gina (Valentina Lodovini), sich nicht nackig machen will und fürderhin kein Deutsch versteht, ist der Film auf dem besten Wege, ein flotter und gewinnbringender Sexualkundefilm zu werden. Silberner Bärengewinnler und OSCAR-Nomineur Regisseur Marc Rothemund (»Sophie Scholl«) hat mit dieser munter fluffigen Chaossette nicht unbedingt einen Brüller gelandet, aber als Ersatztermin, wenn mal bisserl der Bär hinkt, funktioniert er alle mal. Servus.
Ray van Zeschau