Idlewild

Drama/Musical, USA 2006

Es ist nicht nötig, dass man vorher je eine Outkast Schnitte gehört hat, um die musikalische und visuelle Qualität dieser grandiosen Scratch-Through-The-Years-Show aus dem Hause Andre Benjamin & Big Boi in ihrer vollen Größe zu würdigen. Die Jungs habens einfach drauf, egal was um die Dialoge herum passiert. Die fantastische Performance hüpft direkt von der Leinwand auf euren Schoß, in eure Latschen, voll in den Bauch. Cab Calloway auf Speed. Das groovt und zuckt, swingt und schlappt, dass es eine Freude ist. Die Südstaaten der USA geben in den dreißiger Jahren eine perfekte Kulisse, um gut behütet und beschuht im speakeasy style ein paar nette Überleitungen zu finden zwischen all den überbordenden Musical-Darbietungen im Outkast Look. Die Story ist nett, tut nicht weh, und vor allem lenkt sie nicht zu sehr ab. Wenn die Musik gerade mal für Sekunden den Atem anhält, erzählt der Film drumherum die Geschichte von zwei Typen, Rooster und Percival, die zwar dicke Freunde sind, aber recht verschiede Wege beschreiten. Rooster ist der typische Hustler, der Mooshine-Whisky an den Chef des angesagten Clubs “Church” vertickt. Bei Mr. Sunshine Ace trifft sich Unter-, Ober- und Halbwelt, um gemeinsam den Herrn zu preisen und sich dabei ordentlich die Kante zu geben. Percival spielt als Sohn eines Bestattungsunternehmers jeden Abend im “Church” Piano. Als Rooster den Laden nach Sunshines gewaltsamem Bühnenabgang mit allen Konsequenzen erbt, stehen beide Freunde nicht ganz unverhofft im Kugelhagel der Konkurrenz. Doch zwischendurch wird gesteppt, gepoppt und gesoffen, was die Bühnenbretter, die Betten und der Tresen hergeben. Feuerschlucker jagen tätowierte Burlesque-Tänzerinnen in die Flucht und hinter allen übrigen hetzt ein Ensemble von der Größe zweier Brian Setzer Big Bands her. Mitunter ertappt man sich dabei, auf einen imaginären Punkt der Leinwand zu starren, weil Augen und Gehirn nicht mehr in der Lage sind, all die vielen Takes, Moves und Breaks geografisch, räumlich und logistisch aufzulösen. Ein langjähriges MTV- oder Konsolen-Training kann hier von Vorteil sein. Doch die zornig satten Bläser-Riffs, die fluffig schlabbernden Gitarren und ein hinterlistig zuckelnder Bass reißen euch alle zehn Sekunden aus der Trance zurück ins bunte Treiben. Ein Fest für die Sinne. C. Fredo