Der freie Wille

Drama, Deutschland 2006, 163 min

Theo kehrt nach neun Jahren Vollzug in die Freiheit zurück, doch als entlassener (und offiziell geheilter) Sexualstraftäter besteht sein neues Leben aus einem einzigen Martyrium. Egal was seine Ärzte sagen, für ihn zählt nur seine Sehnsucht nach Frauen, die zugleich eine allzu verständliche Angst ist. Im Vollzug hat er versucht, einen Umgang mit seiner Vergangenheit zu erlernen. Kampfsport und harte Körperertüchtigung haben ihm mehr geholfen als Keramikzirkel und Theater. Doch draußen ist er auf sich allein gestellt. Und draußen trifft Nettie auf ihn. Wie ein Ball ins Aus. Gerade hat sie sich aus der psychischen Gewalt ihres Vaters befreien können, bei dem sie 27 Jahre wie in Gefangenschaft gelebt hatte. Mit ihrer Begegnung beginnt für die beiden Außenseiter ein Spiel jenseits bekannter Regeln. Sie lieben sich, sie akzeptieren sich, doch ob ihre Sehnsucht nach Erlösung aneinander in Erfüllung gehen wird, müssen sie erst herausfinden. Nettie und Theo lassen sich darauf ein, aus freiem Willen.
Niemand hat Regisseur Matthias Glasner zu diesem Film gezwungen. Es war ein langwieriger und schwerer Prozess. Ausgelöst durch die übliche deutsche Boulevardpresse, vor etlichen Jahren, an irgendeinem Tag, als wieder ein Mann einer Frau Gewalt antat. Da entstand der Gedanke, darüber einen Film zu machen. Weil die Tat, der Konflikt und das Problem nicht enden nach der Verurteilung. Zu diesem Zeitpunkt wusste Glasner noch nicht, dass er am Ende auf psychotherapeutische Erklärungsversuche verzichten wird. Oder dass er vermutlich keinen einzigen Fall damit wird verhindern können. Aber er wusste bereits vor allen verworfenen Drehbuchfassungen, dass er keinen Film über die Opfer machen würde. Er wusste, dass nur Jürgen Vogel bereit und in der Lage sein würde, Theo zu spielen und dass es womöglich nur die Liebe ist, die einen Menschen erlösen kann.