Jackass

Action/Komödie, USA 2010, 94 min

„Jackass“, was soviel bedeutet wie Joachim sein Sitzgerät, wird jetzt in 3D dargeboten und klingt gleich mal bisschen nach „Duke Nukem“ oder „Wolfenstein 3D“. Geschossen wird hier aber nur mit Gotchapistis und rappeln tut es in der Kiste schon gewaltig. Tja, immer wieder seltsam, dass man über soviel, zugegebener Maßen vor allem höchst körperlich anspruchsvollen Blödsinn, derart lachen muss. Obwohl wir alle beim Betrachten von »Jackass« wissen, dass sozusagen (fast) alles nur „gespielt“ ist, empfinden wir offensichtlich doch ein gewisses Maß an Schadenfreude. Eine Bezeichnung, die sich übrigens in sechs verschiedenen Sprachen so etabliert hat. Wenn also ein Pariser auf Grund eines weggeworfenen Präservativs sich auf dem Champs-Élysées hinpackt, Sie herzlichst darüber lachen und der Ausgeglittene sowie ein hinzueilender Engländer, Spanier, Italiener, Portugiese und Pole Sie fragen, weshalb Sie so dämlich lachen, können sie im schallenden Gelächter das Wort Schadenfreude erwähnen und man wird Sie, zumindest, was das Wort betrifft, verstehen. Zwar werden bei »Jackass« die letalen Risiken auf Grund von Professionalität im Minimalbereich gehalten, aber für ein gehöriges Aua ist immer gesorgt. Wer schon mal wie ich beim Sturz mit dem Pferd unter Selbigem begraben lag, sich in der ausführenden Funktion als Torwart das Hand- und bei einer ausgefeilten Bühnenakrobatik das Sprunggelenk gebrochen hat oder einfach nur mal mit dem Fahrrad gegen ein Baum gefahren ist, um sich am Steuerrohr den Sack einzuhauen, weiß um die Leiden der Protagonisten rund um Johnny Knoxville. Einziger Unterschied, dass ich an meinen unfreiwilligen Stunts keinen Cent verdient habe. Nun möchte das Jackassteam im Zuge des Dreidimensionalisierungsfiebers dem Zeitgeist in nichts nachstehen und bringt uns den Gesamtirrsinn in sozusagen fast greif- und nacherlebbare Nähe auf die Leinwand. Schon im ersten Monat brach sich Bam Margera drei Rippen und die Schulter, so dass der Anfang des Filmes etwas umgeschrieben werden musste. Aber was will man da schon umschreiben? Ob nun einer von irgendwo oben runter fällt oder Selbiger von irgendwas von irgendwo oben getroffen wird ist doch vollkommen Rille. So also wird wieder tief in die Kiste des Schmerzes und schlechten Geschmacks gegriffen um schlichte Gemüter wie mich in lachendem Atem zu halten. Morgendliches Wecken mit einem Defibrillator mit anschließendem Rocket Bungee-Flug in einer Morgenschiss gefüllten mobilen Toilettenkabine sind da nur beispielgebend. Herrliche Welt, die manchmal auch so wunderbar einfach sein kann.
Dr. Kurt Hanuschke (Geschmackspapst)

Buch: Preston Lacy

Regie: Jeff Tremaine

Darsteller: Johnny Knoxville, Bam Margera, Steve-O, Ryan Dunn, Chris Pontius, Preston Lacy

Produktion: Dickhouse Productions, Derek Freda, Spike Jonze, Johnny Knoxville, Jeff Tremaine

Bundesstart: 28.10.2010

Start in Dresden: 28.10.2010

FSK: ab 18 Jahren