Lea

Drama, Deutschland/CSSR 1996, 100 min

Die ersten Szenen des Films suggerieren eine Geschichte, die im vorigen Jahrhundert spielt: Dunkle Tannenwälder, ein kleine Hütte. Ein tobsüchtiger Trunkenbold schlägt sein Kind und fesselt seine Frau mit einer stählernen Kette ans Bettgestell. Nachts ergreifen Mutter und Tochter mit einem Pferdefuhrwerk die Flucht. Erst als der Mann mit einem Motorrad die Verfolgung aufnimmt, erkennt man, dass Ivan Filas Film in der Gegenwart spielt. Die kleine Lea wird Zeuge, wie der Vater die Mutter erschlägt. Lea ist von diesem Zeitpunkt an stumm. Sie wächst bei einer Familie in ihrem böhmischen Dorf auf. Die politische Wende scheint an der Gemeinschaft spurlos vorüber zu gehen. Doch eines Tages taucht ein Deutscher auf, der behauptet, der Besitzer des Grundstückes von Leas Ziehvater zu sein. Er bietet diesem einen Tausch an. Für eine große Summe Geld und unter Verzicht auf alle seine Besitzrechte verlangt der Deutsche als Gegenleistung die gerade 18-jährige Lea zu heiraten und mit nach Bayern zu nehmen. Nach geheuchelter moralischer Entrüstung lässt sich der Tscheche auf den Handel ein. Zwischen dem sprachgestörten Mädchen und dem doppelt so alten Deutschen, einem ehemaligen Fremdenlegionär, beginnt eine eigenartige Beziehung.
In einer eigenwilligen, betont poetischen Filmsprache schildert der tschechische Regisseur die Begegnung und Annäherung von zwei seelisch kranken Außenseitern.