Max Schmeling

Drama, Deutschland 2010, 125 min

Max Schmeling war der erste deutsche Boxschwergewichtsweltmeister, der sich wohl eher ungewollt vor den Karren der NS-Propagandamaschine spannen ließ. Der Aufforderung der Nationalsozialisten, sich von seiner deutsch-tschechischen Frau, der Filmschauspielerin Anny Ondra und seinem jüdischen Manager Joe Jacobs zu trennen, verweigerte er sich konsequent. 1936 besiegte er dann in New York den bis dahin als unschlagbar geltenden Joe Louis, welches sogleich von Deutschland als Sieg der Herrenrasse verkauft wurde. Ein Jahr später verliert Schmeling den Rückkampf gegen Louis und gerät in die Missgunst des NS-Regimes. Auch seine sich dem Staat verweigernde Haltung bringt ihn in Bedrängnis. 1940 meldet er sich eher unfreiwillig zum Dienst als Fallschirmjäger und verletzt sich sogleich beim ersten Einsatz auf Kreta. Hier nun steigt der Film ein. Noch am Fuße verletzt, bekommt er den Auftrag einen britischen Kriegsgefangenen zu überführen. Auf ihrem Weg kommen sich beide Soldaten näher, und Max Schmeling beginnt von seinem Leben zu berichten. Alles gut und schön, wenn sich da nicht Regisseur Uwe Boll mit seinem Hauptdarsteller selbst eine Nase drehen würde: Boll ist schon ein Phänomen und gilt weltweit als der schlechteste Regisseur seit Ed Wood. Aber wie Eddie scheint es ihn überhaupt nicht zu jucken, was die Welt von seiner Filmkunst hält, und er geht beharrlich seinen trotzigen und steuergeldvernichtenden Weg. Bedauerlicherweise ließ sich Boll nun an der höchst interessanten Biografie Max Schmelings aus, was ihm zugegebenermaßen optisch auch gelingt, aber durch den Einsatz des wohl schlechtesten Schauspielers aller Zeiten in der Titelrolle wieder zunichte gemacht wird. Henry Maske! Als ich erstmals so nebenbei von diesem Film hörte, glaubte ich noch an eine Nebenrolle Maskes als Max Schmeling, aber das vorliegende Werk belehrt mich eines besseren Schlechteren. Nichts gegen Henry Maske als Sportler, aber wie bescheuert muss man denn nur sein, um eben Selbigem eine Hauptrolle über zu helfen. Da bringen dann auch ein paar Schauspielstunden keine Punkte, die seinen biografiebedingten brandenburgischen NVA-Duktus ausmerzen sollen und so verkommt jede noch so kleine vokale Äußerung des Ex-Weltmeisters zum unfreiwilligen Schenkelklopfer. Max Schmeling selbst würde sich vor Fremdscham wohl auch noch im Grabe selbst k.o. schlagen, wenn es da nicht so eng wäre. Wenn man schon auf solch einen offensichtlichen Marketingcoup setzt, hätte man Henry doch getrost auch synchronisieren können. Schließlich hat man das damals mit Gojko Mitic auch so gemacht. Denn alles was die sportliche Seite des Films betrifft, ist natürlich hervorragend in Szene gesetzt und Henry Maske tut das, was er am besten kann, boxen. Ehrlich gesagt, ist mir dann aber ein überzeugender Schauspieler, der so tut, als würde er boxen, lieber als ein Boxer, der so tut, als wäre er ein Schauspieler. Aber vielleicht muss Sir Henry wieder mal zehn Jahre warten, um zu beweisen, dass er es doch drauf hat.
Ray van Zeschau (Boxen, Note 2, 1978 im Sportunterricht der Polytechnischen Oberschule)