Schande

Drama, Australien/Südafrika 2008, 118 min

David Lurie, 52 Jahre alt und zweifach geschieden, unterrichtet romantische Literatur an der Universität in Kapstadt. Als der jung gebliebene Don Juan rücksichtslos seine Machtposition als Professor ausnutzt und eine Affäre mit einer seiner schwarzen Studentinnen beginnt, verwandelt sich sein Leben in einen Albtraum. Lurie wird entlassen. Er sucht Zuflucht bei seiner allein stehenden Tochter Lucy, die eine abgeschiedene Farm auf dem Land bewirtschaftet. Doch die Zeiten haben sich geändert: Der tiefe gesellschaftliche Graben ist bis ins Herz Südafrikas vorgedrungen. Die brutalen Konsequenzen machen auch vor ländlichen Gegenden nicht halt…
Die fast werkgetreue Verfilmung des Weltbestsellers des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers J.M. Coetzee eröffnet ergreifende und schonungslose Einblicke in persönliche Abgründe und in die politischen Machtverhältnisse einer zerrissenen Gesellschaft. Nach dem Ende der Apartheid gerät das Weltbild der weißen Oberschicht ins Wanken.
Mit »Schande« erreicht der australische Regisseur Stephen Jacobs eine Ebene, unter der zunächst nur noch immer währende Trostlosigkeit zu liegen scheint. Beeindruckend gelingt es dem 42-Jährigen mit den Mitteln des klassischen, linearen Erzählkinos, die unleugbare Kraft dieses preisgekrönten bestürzenden Monuments der literarischen Ratlosigkeit voller Metaphern und verschiedener Erzählebenen auf die Leinwand zu bannen.
Bestechend verkörpert dabei OSCAR-Preisträger John Malkovich die tragische Hauptfigur, den in Ungnade Gefallenen, der alle seine Rollen verliert und verzweifelt nach neuen sucht. Unerbittlich raubte ihm das Alter seinen Nimbus als Frauenverführer, aber auch seine Vater-Tochter-Beziehung trägt nicht. Seine vielschichtige Ästhetik des Scheiterns vor der atemberaubenden Kulisse der südafrikanischen Landschaft gleicht einer emotionalen wie intellektuellen Tour de Force - für den Protagonisten ebenso wie für den Zuschauer.