Identitti
Ganz nah am Puls der Zeit ist der zweite Spielfilm der in Berlin geborenen Regisseurin Randa Chahoud. Sie bleibt mit ihrer Realisierung von »Identitti« nah am gleichnamigen Roman von Mithu Sanyal aus dem Jahr 2021. Die Studentin Nivedita (Amanda Babaei Vieira) studiert an der Universität Düsseldorf und ist begeistert von ihrer Professorin Saraswati (Stephanie Eidt), die am ersten Tag erst einmal alle weißen Studierenden aus dem Hörsaal verbannt. Denn sie kämpft für die Rechte der People of Color in Deutschland und setzt das konsequent in ihrer Arbeit und im Universitätsbetrieb um. Als Nivedita herausfindet, dass die Identität von Saraswati aber eine Lüge ist, steht sie vor einem moralischen Dilemma. Soll sie in ihrem Podcast, den sie unter dem Alias Identitti betreibt, das Geheimnis der angesehenen Universitätsangestellten offenlegen? Der Spielfilm von Chahoud, wie schon der Roman, greift aktuelle Themen auf: Sie beschäftigen sich mit den Fragen, was Identität ausmacht, wie Alltagsrassismus erfahrbar wird und wie es sich anfühlt, in Deutschland in einem Dazwischen zu leben, wie es auch die Regisseurin mit deutsch-syrischen Wurzeln selber kennt. Dabei stellt sich der Film nicht klar auf eine Seite oder sieht die Themen in Schwarz-Weiß, sondern zeigt die Schwierigkeiten und die Grauzonen. Trotz der Vielfalt ernster Themen ist der Ton des Films niemals schwermütig. Das liegt an seiner jungen Heldin, hervorragend verkörpert von Amanda Babaei Vieira, welche eine ansteckende Energie an den Tag legt. Hinzu kommen noch die inneren Gespräche mit der hinduistischen Göttin Kali, die von der Rapperin Sabrina Setlur mit einem ganz eigenen Charme verkörpert wird. »Identitti« ist auch stilistisch eine gelungene Romanadaption, die Gedanken und Gefühle mit viel Spielfreude und Humor zusammenbringt und damit gelungen zu vielen Debatten dieser Zeit beitragen kann.
Doreen
Buch: Friederike Jehn
Regie: Randa Chahoud
Darsteller: Amanda Babaei Vieira, Stephanie Eidt, Sabrina Setlur, Zoe Magdalena, Saba Lou Khan, Anne Müller, Mohamed Kanj Khamis, Lotte Becker
Kamera: Julian Hohndorf
Musik: Burak Özdemir
Produktion: Razor Film Produktion GmbH
Bundesstart: 12.11.2026
Start in Dresden: 12.11.2026