Am Ende eines viel zu kurzen Tages

Drama, Deutschland/Irland 2011, 97 min

Wenn die Polizei einen Teenager nach Hause bringt und die Mutter leise „Schon wieder“ seufzt, dann scheint eigentlich vieles so zu sein, wie es bei einigen Teenagern halt ist: Durch Graffiti sprayen (wie in diesem Fall) oder anderes nicht wirklich Legales gerät der eine oder die andere schon mal mit den Gesetzeshütern aneinander. Hier ist aber alles ganz anders. Denn es ist nur scheinbar eine Pubertät mit dem normalen Wahnsinn von Aufbruch, Hormonen und Rebellion: Donald ist krank und wird sterben. Wer behauptet, er müsse nur stark sein und dann würde alles gut werden, muss realitätsblind sein. Seine Eltern zum Beispiel gehen Donald mit ihren Mutmachparolen schrecklich auf die Nerven. Sein Vater glaubt inzwischen sogar an Gott oder gönnt sich mal einen Joint („ist gut gegen die Angst“ - damit ist seine eigene gemeint). Und dann ist da noch die Sache mit den Mädchen. Donald möchte wenigstens einmal Sex haben in seinem kurzen Leben, aber ohne die Mitleidsnummer. Seine Kumpels tun alles, um ihm zu helfen…
Die Eltern schleppen Donald zu einem weiteren Psycho-Doc, von dem sie sich Hilfe erhoffen. Auf besondere Weise können die beiden tatsächlich was miteinander anfangen, obwohl Donald anfangs mehr als ablehnend reagiert. Er zeichnet expressive Comics, in denen er selbst ein namenloser Held ist, der von einem Widersacher namens Glove gequält wird, eine aufreizende Krankenschwester assistiert dabei. Dr. King betrachtet die Zeichnung mit Interesse - der Tod spielt auch in seinem eigenen Leben eine besondere Rolle.
Das Tolle an dem Film von Ian Fitzgibbon ist, dass wirklich alles stimmt: Die Comics sind schroff und rau in den Film integriert, der Protagonist ist einfach nur glaubwürdig und die Geschichte berührt auf sehr besondere Weise. Donald hasst die „Schuldgefühlsscheiße“ und der Film vermeidet genau das: Es wird nie kitschig, gefühlig oder gar pathetisch. Es ist einfach nur eine sehr gelungene Geschichte über das Erwachsenwerden unter sehr besonderen Umständen und daher mit etwas mehr Wucht als sonst. Neben den Comics spielt die Musik eine wichtige Rolle. Sie ist mal treibend und laut, zeigt - wie die Zeichnungen von Donald - eine wütende Seele. Dann aber wird sie ruhiger, introvertierter: Donald verliebt sich, und in Dr. King findet er endlich einen Menschen, mit dem er reden kann.
Petra Wille