Nathalie küsst

Komödie/Lovestory, Frankreich 2011, 110 min

Man muss nicht alle ihre Filmfiguren mögen oder wie die halbe Welt auf Crème brûlée abfahren, aber dass Audrey Tautou ein lecker Frauenzimmer ist, lässt sich schwerlich abstreiten. »La Delicatesse« heißen Roman und Film daher auch vollmundig im Original.
Der Schmaus beginnt standesgemäß. Kleine Fingerübung, romantisch dazu, Filmhochschule La femis, 2. Semester, Aufgabe: Zeigen Sie in fünf Tableaus ersten Blickkontakt, erstes Date, ersten Kuss, ersten Heiratsantrag und abschließende Trauerfeier unter Verwendung ausreichend belegter Frankreich-Klischees. Die Blumenfrau knallt mitten hinein in Nathalies Romanze mit dem ansehnlichen François, als diese ihn beim Joggen kurzerhand überfährt. Alles zunichte, was David und Stéphane Foenkinos binnen weniger Minuten an Zauber auf Leinwand gebannt haben. Ein kurzes Intermezzo folgt, durch welches Nathalie hindurch stiefelt mit hochgeschlossenem Kragen und gesenktem Blick. Drei Jahre zaudert sie mit der Welt, gurgelt vor jedem Satz mit Eiswasser und lässt Avancen aller Art an sich abprallen. Sie trauert. Bis Markus, der Schwede, ihr Büro betritt. Untersetzt, schütteres Haar und nicht mehr ganz taufrisch, so steht er vor ihr und Nathalie küsst ihn. Nun, ganz offensichtlich baut das 4. Semester auf dem Grundkurs auf, jedoch unter erschwerten Bedingungen. Denn diese neue Romanze beginnt mit einem Tauziehen. Dass Nathalie ihr Lippenbekenntnis am nächsten Tag gern verdrängen möchte und einen Rückzieher machen will, spornt Markus nur noch mehr an. Er lädt zum Essen, sie kontert mit Theater. Er schiebt Panik, sie bekommt kalte Füße. Beide müssen sich ihren Mut zu diesem neuen Gefühl hart erkämpfen. Markus, von Frauen nicht sonderlich verwöhnt, beschließt jedoch um jeden Fußbreit Boden in diesem siebten Himmel zu kämpfen. Bald schon sieht auch Nathalie sich gezwungen, etwas zu tun für die Liebe.