Exil

Drama/Thriller, Deutschland, Belgien, Kosovo 2020, 121 min

Der aus dem Kosovo stammende Chemieingenieur Xhafer lebt in Deutschland mit seiner deutschen Frau und den drei Kindern ein bürgerliches Leben. Eigenheim, fester Job, bescheidener Wohlstand, Sicherheit. Man sieht Xhafer nicht an, wie sehr er unter fehlender Zugehörigkeit leidet. Die Gleichgültigkeit der Kollegen, die keinen Unterschied zwischen dem Kosovo und Kroatien machen, die sich auch nach mehreren Jahren nicht der Mühe unterziehen, seinen Namen korrekt abzuspeichern, macht ihn fertig. Als er zweimal verspätet zu einem Meeting kommt, weil ihn niemand über den geänderten Raumplan informiert hat, glaubt er, diskriminiert zu werden. Die Zeichen häufen sich: verweigerte Testdaten, tote Ratten im Briefkasten, schließlich ein brennender Kinderwagen. Xhafer fühlt sich verfolgt und sieht in jedem Wort, jeder Schwierigkeit ein Zeichen für Mobbing und rassistische Statements. Seine Frau versucht zu versachlichen, zunehmend genervt davon, dass er auch kleinste Alltagsbegebenheiten negativ interpretiert und auf sich bezieht. Der Druck steigt, die Aggression wächst. Ist die Welt wirklich so feindlich wie Xhafer sie sieht? Geht seine Frau fremd? Und wie steht es mit ihm selbst?
Regisseur Visar Morina (»Babai«) vermeidet bei seiner Auseinandersetzung mit dem Thema Alltagsrassismus eindeutige Täter-Opfer-Zuschreibungen. Xhafer ist eher ein Antiheld, beinahe ein Unsympath, mit dessen zunehmender Verzweiflung man dennoch mitfühlt. Wie verformt sich die Psyche unter stetem Anpassungsdruck, ohne sichtbare Aussicht auf Erfolg? Mišel Matičević und Sandra Hüller spielen leise und eindringlich. Die Regie findet eindrückliche Bilder für die beklemmende Situation: Es ist heiß und stickig, den Figuren stehen die Schweißperlen auf der Stirn, sichtbare Zeichen der Überforderung und Vorzeichen einer Entladung.