Kokon

Drama, Deutschland 2020, 99 min

Welche Stadt eignet sich wohl besser dazu, eine charmante Coming-of-Age-Geschichte mit einer Milieustudie zu kombinieren, als Berlin? »Tigermilch« hat es vorgemacht und die deutsche Regisseurin Leonie Krippendorff folgte mit ihrem Zweitling »Kokon«. Auch in diesem Spielfilm, der das Programm ‚Generation 14plus‘ auf der 70. Berlinale eröffnen durfte, geht es wie schon in ihrem Debütfilm „Looping“ um Selbstfindung und -werdung. Sprichwörtlich schlüpft die Titelheldin Nora (Lena Urzendowsky) während eines heißen Sommers in Berlin aus ihrem Kokon. Die 14-jährige, welche vor allem ihrer älteren Schwester Jule (Lena Klenke) nachläuft, hat ihren Platz im Leben noch nicht gefunden, als ihr Romy (Jella Haase) begegnet und sich in sie verliebt. Zusammen mit ihr erlebt sie einen Sommer zwischen Freibädern, Paraden und heißen Nächten und findet endlich zu sich selbst. Berlin ist durch seine Vielfalt und das bunte Treiben der perfekte Ort für diese Geschichte. Das ist der Dschungel, in dem Nora zur Frau wird. Doch Krippendorff, die auch das Drehbuch für den Film geschrieben hat, konzentriert sich nicht nur auf die schöne, warmherzige Coming-of-Age-Geschichte mit queerem Hintergrund, sondern fängt das Leben in Berlin mit einer klugen Milieustudie ein. Dabei verzichtet sie realitätsnah auf Stereotype und Klischees und findet stattdessen die richtigen Worte, welche perfekt von dem jungen Ensemble stimmig vorgetragen werden. So liegt die Stärke hier nicht nur beim Skript, sondern auch bei den drei Hauptdarstellerinnen Urzendowsky, Klenke und Haase. Krippendorffs »Kokon« ist der perfekte Sommerfilm, mit dem man für zwei Stunden lang im Kino selbst der Hitze entfliehen kann.
Doreen